Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch: Iwan Denissowitsch Schuchow, ein Zimmermann, der nach einer absurden Anklage wegen Hochverratszu zehn Jahren Lager verurteilt wurde, von denen er acht bereits abgesessenhat. Das Geschehen beschränkt sich auf einen einzigen Tag im Januar 1951,dessen monotoner Verlauf stellvertretend für die 3653 Tage steht, die Schuchowinsgesamt abzusitzen hat. Der Tagesablauf ist von der Lagerverwaltung strengvorgegeben Wecken, Essen fassen, morgendlicher Zählappell, Filzen aufverbotene Gegenstände, harte körperliche Arbeit in der Brigade Nr. 105,die auf die Baustelle eines Kraftwerks abkommandiert ist, Mittagessen,wieder Arbeit, usw. Diesen Ablauf kennt Schuchow mittlerweile in- und auswendig;er hinterfragt weder die Rituale der Lagerbürokratie noch die Willkür derBewacher. Schuchow lebt ausschließlich in der Gegenwart, sein Handeln undDenken ist darauf abgestellt, listig und klug sein Überleben zu sichernund innerhalb der Tagesroutine kleine Vorteile für sich herauszuschlagenetwa für einen Tag ins Krankenrevier eingewiesen zu werden, wo man sicheinmal richtig ausruhen kann, oder ein Paar echte Lederstiefel zugeteiltzu bekommen. Insbesondere das Essen besitzt für den ständig hungrigen Häftlingeine geradezu obsessive Bedeutung. Über die Welt außerhalb des Lagers erfährtSchuchow so gut wie nichts, und das Wenige, was er in den ein, zwei Briefenerfährt, die ihm seine Frau pro Jahr schreibt, interessiert ihn nicht mehr.Nur indem Schuchow seine sinnlose, entmenschlichte Existenz als Normalzustandakzeptiert, kann er die Kraft zum Überleben finden. Am deutlichsten wirddies in seiner Einstellung zur Arbeit. Die Mitglieder der Brigade kontrollierensich gegenseitig, da bei schlechter Leistung eines Einzelnen alle bestraftwerden, doch nicht nur deshalb packt Schuchow fleißig …
Keine Erfahrungsberichte vorhanden